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Gammelfleisch-Skandal: Verdorbenes Fleisch zu Wurst verarbeitet

Steht dem deutschen Einzelhandel ein neuer Gammelfleisch-Skandal bevor? Zwei mittlerweile entlassene Mitarbeiter eines Wurstherstellers aus Bad Bentheim (Niedersachsen) berichteten am gestrigen Mittwochabend in einem Beitrag des ARD-Magazins "plusminus" von verheerenden Zuständen in der Fleischfabrik, in der sie vormals angestellt waren. Deutlich als "gesperrt" deklariertes, teils schon grünes Fleisch, wurde zu Wurstwaren für den Verkauf "verwurstet".

Zwei ehemalige Angestellte einer Fleischfabrik in Niedersachsen legen mit ihren schweren Vorwürfen womöglich einen neuen Gammelfleisch-Skandal in Deutschland offen: Verdorbenes, mitunter grünes Fleisch aus Trögen mit dem Etikett "gesperrt", wurde im Verhältnis 1:3 in der Fabrik eines niedersächsischen Wurstherstellers in Bad Bentheim weiterverwertet: Eine Tonne "gesperrtes" Fleisch kam auf drei Tonnen frisches Fleisch.

Zehntausende Kilo der verdorbenen, billig erworbenen - und eigentlich für den menschlichen Verzehr nicht vorgesehenen - Ware wurden Woche für Woche in Bad Bentheim angeliefert und vorsätzlich umetikettiert, wie Handyvideos der ehemaligen Mitarbeiter belegten. Mit einfachen Föhnen wurden Etiketten abgelöst und nachträglich unbedenkliche angebracht. Machten Mitarbeiter in der Firma darauf aufmerksam, seien sie von den Verantwortlichen ignoriert worden.

Die Praktiken gehen ungeachtet dessen weiter, ein aktuell in der Fleischfabrik angestellter Arbeiter schmuggelte für den ARD-Beitrag eine Frischhaltetüte mit einer Fleischprobe nach draußen: Gräulich und stinkend war das Fleisch, eine mikrobiologische Untersuchung bescheinigte zahlreiche Bakterien und wies eine erhöhte Fäkalkeimbelastung nach. Fettabbauprodukte in der Ware seien ein deutliches Indiz für Gammelfleisch, stellte der untersuchende Lebensmittelmikrobiologe Prof. Dr. Friedrich Titgemeyer von der Fachhochschule Münster fest.

Ungeachtet dessen wies die Geschäftsführung des Wurstfabrikanten die erhobenen Vorwürfe auf Anfrage per E-Mail zurück, verwies indes ausflüchtend auf die gegenwärtig laufenden Ermittlungen und entwich einer Stellungnahme zu möglicherweise zurückliegenden Praktiken. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat die Ermittlungen aufgenommen, wie eine Sprecherin in dem ARD-Beitrag bestätigte: "Der Verdacht besteht, dass falsche Veterinärzeugnisse für den Export erwirkt worden sein könnten, in der die Herkunft des Fleischs verschleiert worden ist."

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